Gründerinnen im Norden: Yogawerkstatt Cuxhaven
Mit der Yogawerkstatt haben Tanja und Anne einen geliebten Ort geschaffen, an dem Menschen zur Ruhe kommen und neue Kraft schöpfen können. Im Interview sprechen sie über ihren Weg in die Selbstständigkeit, Herausforderungen und ihre Lieblingsorte in Cuxhaven.
Wer seid ihr und welche Rolle habt ihr in der Yogawerkstatt?
Tanja: Ich bin die Gründerin der Yogawerkstatt. Ursprünglich habe ich Architektur studiert, daraus ist meine Liebe zu besonderen Orten entstanden. Als Yogalehrerin verbinde ich diese Leidenschaft mit meinem zweiten großen Thema: Heilsame Räume zu schaffen, in denen Körper, Geist und Seele zur Ruhe kommen können. Ich unterrichte Kundalini Yoga mit Elementen aus Hatha und Yin Yoga und arbeite gern mit Rhythmus, Stille und dem Klang meines Symphonie-Gongs. Die Yogawerkstatt ist für mich genau so ein Ort: Ein Raum, der trägt, schützt und zugleich weit macht.
Anne: Ich bin von Anfang an begeistert mit dabei in der Yogawerkstatt und seit 2024 Freiberuflich als Yogalehrerin, Entspannung und Meditation Trainerin tätig. Davor habe ich 15 Jahre nebenberuflich Yogastunden unterrichtet. Mein Angebot in der Yogawerkstatt wird noch ergänzt durch die Thai Yoga Massage. Ich unterrichte Hatha Yoga , Yin Yoga und Kundalini Yoga , begleitet vom Harmonium , singen von Mantren und Mantra Meditation. Fast jeden Sonntag gebe ich eine Mantra Yogastunde auf Spendenbasis.
Wie entstand die Idee zur Yogawerkstatt und wie habt ihr zueinander gefunden?
Die alte Werkstatt ist optisch nicht das typische Yogastudio, der Raum hält aber eine so feine Stille und Tiefe, dass ich vom ersten Moment an, wusste hier möchte ich gemeinsam mit anderen Yoga praktizieren. Anne und ich kannten uns schon vorher und es war direkt klar, dass sie mit an Bord ist. Mittlerweile sind wir übrigens mehr als nur Anne und ich: Frida bietet bei uns freies Tanzen an, und Yvi begleitet Meditation nach Thich Nhat Hanh.
„So wächst die Yogawerkstatt Stück für Stück zu einem Ort, an dem ganz unterschiedliche Zugänge zu Körper, Atem und Stille zusammenkommen. Und es ist noch Platz für mehr – wir haben weitere Kapazitäten frei für Lehrende, die sich von der Energie der Yogawerkstatt angesprochen fühlen.“
Warum war Cuxhaven der richtige Ort für euer die Yogawerkstatt?
Cuxhaven ist unser Homebase. Darüber hinaus passt Rauheit der Natur sehr zu unserer Ausrichtung von Yoga. Sie erinnert daran, dass Yoga nicht nur Ruhe bedeutet, sondern auch Erdung, innere Ausrichtung und die Fähigkeit, selbst bei Wind und Wetter bei sich zu bleiben.
„Gerade dieser Kontrast aus rauer Nordseeatmosphäre und Hafen-Geborgenheit macht den Alten Fischereihafen für uns zum richtigen Ort für die Yogawerkstatt. Und im Sommer legen wir die Matten auch gern direkt an der Kaikante aus.“
Was macht die Yogawerkstatt zu einem besonderen Ort und welche Projekte stehen gerade an?
Unser Raum liegt mitten im Alten Fischereihafen, in einer ehemaligen Werkstatt. Draußen sind Wind, Wasser, Wetter und Weite unmittelbar spürbar: Man hört die Möwen, den Wind am Haus und die tiefen Geräusche der Schiffsmotoren auf der Elbe. Drinnen entsteht dazu ein heller, geschützter Gegenpol.
„Die Yogawerkstatt war nie als klassisches Yogastudio gedacht. Uns ging es von Anfang an darum, einen Ort entstehen zu lassen, an dem unterschiedliche Yogastile, Traditionen und Persönlichkeiten nebeneinander Platz haben. “
Jede Lehrende bringt ihre eigene Art zu unterrichten mit – und gerade daraus entsteht bei uns ein gemeinsamer energetischer Raum. Gleichzeitig bleibt jede von uns eigenständig: mit eigenen Kursen, eigenen Preisen und einer eigenen Verbindung zu den Schülerinnen und Schülern. Deshalb gibt es bei uns keine klassische Mitgliedschaft und keine Karte, mit der man automatisch zwischen allen Stunden wechseln kann. Für uns ist genau das der Kern der Yogawerkstatt: ein Ort, der Vielfalt zulässt und Raum gibt, statt alles in ein einheitliches Konzept zu pressen.
Tanja: Aktuell arbeite ich an einer neuen Workshop-Reihe zum Thema Trauer & Sterben – ein dreiteiliges Format, das sich mit Leben & Sein im Angesicht der Endlichkeit auseinandersetzt. Die Reihe beginnt im Herbst. Außerdem bereite ich das Retreat Wochenende im Upleven in Wremen vor, dort sind wir vom 11.-13.09.26 – und anlässlich meines 22. Yogajahres möchte noch ein kleines Fest planen.
Anne: Das miteinander, sich unterstützen und gemeinsam an Projekten arbeiten gefällt mir besonders gut. Die Yogawerkstatt ist für mich ein Raum der Begegnung, für alle Menschen und jedes Alter.
Zur Wintersonnenwende gab es mit Tanja eine ganz besondere Gong Nacht , in der die Teilnehmenden geschlafen haben und Tanja die ganze Nacht den Gong gespielt hat.
Zur Sommersonnenwende, am 21.6. gab es mit mir und zwei weiteren Musikerinnen ein Mantra Konzert , das wird es bald öfter geben zu besonderen Anlässen und Themen.
Was war die größte Herausforderung auf eurem Weg in die Selbstständigkeit und worauf seid ihr heute besonders stolz?
Kurz nach der Eröffnung kam der erste Lockdown, da blieben die Matten erstmal monatelang im Regal. Die Lust auf die gemeinsame Praxis in einem Raum blieb aber trotz der wunderbaren online Möglichkeiten nicht aus, weder bei uns noch bei den Yoginis und Yogis.
Grundsätzlich ist es als Yogalehrerin immer wieder eine Herausforderung, die Balance zu finden zwischen der spirituellen Arbeit und der Wirtschaftlichkeit und dabei die eigene Praxis gut geerdet zu halten, damit man selbst nicht verloren geht in dem, was man anderen weitergeben möchte.
„Stolz bin ich auf alle, die regelmäßig mit uns auf die Matte kommen. “
Anne: Da kann ich mich nur anschließen, es war nicht einfach nach 30 Jahren im Angestellten Verhältnis in die Selbstständigkeit einzutreten. Ich bin auch freiberuflich tätig als Yoga und Entspannungslehrerin im Outfit Cuxhaven und in der Mutter Kind Kurklinik Nordseeküste.
Welchen Rat würdet ihr Frauen geben, die selbst den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchten?
Tanja: Vertrauen in den eigenen Weg – und an dein älteres Ich zu denken und an die Vorsorge zu denken.
Anne: Wenn du das lebst was du liebst kann nichts passieren;) Vertrauen in die eigene Kraft und Durchhalten.
Tanja: ja, Durchalten. Da gibt es ein passendes Yoga Zitat: practice and all is coming.
Was bedeutet Cuxhaven für euch persönlich und welche drei bis fünf Orte in Cuxhaven liebt ihr besonders?
Tanja: Cuxhaven bedeutet für mich Heimat, Weite & häufig sehr viel Wind. Meine liebsten Orte sind die Yoga Werkstatt (wegen der besonderen Stille, dem Licht und Schutz der Räume), der Küstenwald (weil ich Wald liebe ich dort dem Wind aus dem Weg gehen kann), im Sommer: Watt und Meer (weil es so besonders erfrischend ist)
Anne: Ich bin 1990 mit 19 Jahren aus Rostock nach Cuxhaven gekommen und geblieben. Besondere Orte sind für mich das Lotsenviertel und die Alte Liebe bis zur Grimmershörn Bucht. Die großen Container Schiffe direkt vorbei fahren zu sehen begeistert mich immer wieder.
Welchen Geheimtipp möchtet ihr Besucherinnen und Besuchern von Cuxhaven mitgeben?
Tanja: durch den Wernerwald zum Strand spazieren - beste Mischung. Und natürlich Wattlaufen!
Anne: Mit dem Fahrrad von der Alten Liebe bis nach Sahlenburg fahren und dort den Sonnenuntergang genießen.
Welche drei Instagram Accounts aus dem Norden inspirieren euch besonders?
Tanja: ehrlicherweise beschränkt sich meine Instazeit hauptsächlich auf Pferdecontent und Elefanten-Videos. Ich werde das jetzt mal ändern! Es ist so bereichernd die Heimat durch eine andere Brille zu entdecken.
Anne: Watt-Land-Fluss , Outfit und Soulfit

